„Frauen.Leben.Geschichten”

Lesung zum Weltfrauentag am 8. März 2025

Feiern, was bereits erreicht wurde und aufzeigen, dass noch viel zu tun ist – der SI-Club Ellwangen hat bereits zum achten Mal zur Lesung „Frauen.Leben.Geschichten“ eingeladen. Anlässlich des Weltfrauentages organisierte der Club einen inspirierenden Vormittag voller bewegender Lebensgeschichten von Frauen.
Im neu eröffneten Bürgerhaus in Ellwangen fanden rund fünfzig Gäste Platz, die die Clubpräsidentin Dr. Kathrin Plänker begrüßte. Christina Faber und Emma Thorwart führten durch das Programm.

Plänker stellte die Frage in den Raum, ob es denn einen Weltfrauentag noch benötige – und fand Bestätigung im Publikum, als sie die Unterschiede im Gehalt und der unbezahlten Arbeit im Haushalt betonte. Auch die Umstände in Afghanistan erwähnte Plänker und stellte heraus, dass die weltweiten Entwicklungen in puncto Gleichstellung einer „Rolle rückwärts“ gleichen. „Wir dürfen nicht nachlassen und müssen weiter einstehen für Demokratie, Gleichstellung und Toleranz“, so die Clubpräsidentin.

Vier Leserinnen ließen außergewöhnliche Frauen zu Wort kommen. Vertreten waren Lebensgeschichten von 1911 bis heute und Botschaften, die zeitlos sind.

Hannah Fitzner, gebürtige Aalenerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Würzburg, las aus den Werken der Kolumnistin Margarete Stokowski. Stokowski, die 2019 mit dem Kurt-Tucholsky-Preis ausgezeichnet wurde, stellt in ihrem Werk „Untenrum frei“ die grundsätzliche Frage, wie frei und gleichberechtigt Frauen sind und zeigt auf, wie sich Rollenbilder im Aufwachsen manifestieren und uns ein Leben lang einschränken. Fitzner plädierte zum Schluss, sich ein Beispiel an der Kolumnistin zu nehmen, die ihre Stimme erhebt, laut und provokant ist und dort widerspricht, wo sie Ungerechtigkeiten im Alltag und strukturelle Probleme erkennt.

Sabin Lehmann, Caféhausleiterin der Kaffeerösterei Samocca und Gründungsmitglied des SI-Club Ellwangen, erzählte über Louise Bourgeois. Bourgeois ist eine französisch-US-amerikanische Künstlerin, die vor allem als Bildhauerin bekannt wurde. Lehmann, gebürtige Mannheimerin und ausgebildete Heilerziehungspflegerin und Kunstschmiedin gestaltet selbst in ihrer Freizeit Objekte aus verschiedenen Materialien. Sie sieht in Louise Bourgeois eine Inspiration, die Kunst als Instrument der Trauma-Verarbeitung zu nutzen. Die Spinne als wiederkehrendes Motiv symbolisiert im Werk von Louise Bourgeois die Mutter. Die Künstlerin zeigt dadurch auf, dass die Mutterrolle nicht immer Fürsorge und Schutz beinhalte, sondern auch das Loslassen. „Louise war keine gefällige Künstlerin, die Meinung der anderen war ihr schnurzegal“, so Sabin Lehmann. 

Sandra Bäurle, gebürtige Aalenerin, Lehrerin für Englisch und Bildende Kunst sowie Oberstufenberaterin an der Schule St.Gertrudis, stellte die französische Kunsthistorikerin Rose Valland vor. Als Mitarbeiterin im Pariser Musée du Jeu de Paume beobachtete sie als „unsichtbare Frau“ die systematische Plünderung von Kunst durch die deutsche Besatzung während der NS-Zeit. Ohne das Wissen der Nationalsozialisten dokumentierte sie akribisch, welche Werke wohin transportiert wurden und ermöglichte es so den Alliierten, Lagerstätten der gestohlenen Kunstwerke ausfindig zu machen. „Durch die Liebe zur Kunst wurde Rose Valland zur Spionin. Mit ihrer Hilfe konnten 60.000 Werke gerettet werden“, so Bäurle, die beeindruckt davon ist, wie unerschrocken die Französin jahrzehntelang ihr Ziel verfolgte. Für sie ist Rose Valland auch ein Beispiel an Mut und Stärke. All das, was Sandra Bäurle ebenso ihren Schülerinnen mit auf den Weg geben möchte, denn Mädchenbildung ist ihr ein großes Anliegen über den regulären Lehrplan hinaus.

Nicole Bühler, gebürtige Ellwangerin, ehemalige Leiterin Soziales bei der Stadtverwaltung und heute Geschäftsführerin für frauenspezifische Einrichtungen in der Sozialpsychiatrie und Wohnungsnotfallhilfe, las über Malala Yousafzai, die jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Geschichte. Yousafzai setzte sich bereits als Kind für das Recht von Mädchen auf Bildung ein und informierte über die tragischen Zustände in Pakistan. 2012 wurde sie von den Taliban bei einem Attentat lebensbedrohlich verletzt. Malala ließ sich dadurch nicht einschüchtern und kämpfte weiter: „Die Terroristen dachten, sie würden meine Absichten ein Ende machen, doch in meinem Leben hat sich nichts geändert nur dies: Schwäche, Angst und Hoffnungslosigkeit sind gestorben. Stärke, Macht und Mut wurden geboren.“, zitierte Bühler.

Kathrin Plänker bedankte sich bei den Leserinnen mit einem Präsent. Spenden wurden zugunsten der sozialen Projekte gesammelt, die der SI-Club Ellwangen regional und weltweit initiiert.


Einladung zur Lesung 2025

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