„88 – 11 – 15“ - mit dieser Zahlenkombination eröffnete der diplomierte Sozialpädagoge und Sozialmanager Clemens Beisel seinen Vortrag im Rahmen des Präventionsprojekts „BeOn – Bewusst Online“ im Speratushaus. Im Durchschnitt entsperren Menschen ihr Smartphone 88-mal am Tag – also etwa alle elf Minuten. Anschließend dauere es rund 15 Minuten, bis die volle Konzentration wieder erreicht sei. Mit diesem Beispiel machte Beisel deutlich, wie sehr digitale Medien den Alltag prägen. Dass das Thema Smartphone längst auch Familien mit Grundschulkindern beschäftigt, zeigte die große Resonanz auf den Infoabend „ALWAYS ON?! Medienerziehung in der Grundschule: Wann ein Handy – wie begleiten?“. Trotz hochsommerlicher Temperaturen folgten rund 100 Interessierte der Einladung des SI-Club Ellwangen und der Stadt Ellwangen. Die derzeitige Präsidentin von Soroptimist International Club Ellwangen, Dr. Kathrin Plänker, zeigte sich bei ihrer Begrüßung sehr erfreut über die große Resonanz.
Im Mittelpunkt des Abends standen Fragen, wie Eltern ein Smartphone kindgerecht einrichten können, welche Regeln sich für den Umgang mit dem neuen Alltagsbegleiter bewährt haben und wie Kinder möglichst wirksam vor jugendgefährdenden Inhalten geschützt werden können. Hierauf gab Clemens Beisel praktische Antworten aus seiner täglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zur gesunden Mediennutzung.
Anstatt nur Fakten zu präsentieren, band der Medienexperte die Zuhörenden immer wieder aktiv ein. Über praktische Beispiele – etwa der eigenen Anzahl an Handyentsperrungen oder der Gesamtzahl der über WhatsApp versendeten und empfangenen Nachrichten – führte er ihnen den eigenen Medienkonsum vor Augen. Mit seiner direkten, humorvollen Art und klaren Worten zu den Herausforderungen der digitalen Medienwelt sorgte er dabei für zahlreiche Aha-Momente. Hierbei hob er immer wieder die entscheidende Vorbildfunktion der Eltern hervor. Sie müssten selbst einen gesunden Umgang mit digitalen Medien entwickeln und sich mit den Themen auseinandersetzen, die Kinder bereits im Grundschulalter beschäftigen. Klare Grenzen seien unverzichtbar, betonte der Experte, da die Apps selbst keine Grenzen setzen. Deshalb sollten Eltern ihren Kindern „Leitplanken“ geben, die Orientierung bieten, ohne sie unnötig zu bevormunden.
Gleichzeitig machte Beisel deutlich, dass es eine vollständige Kontrolle nicht geben könne. Entscheidend sei vielmehr, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben, aufmerksam zu sein und Interesse an ihrer digitalen Lebenswelt zu zeigen – ebenso wie an allen anderen Bereichen ihres Alltags.
Mit Blick auf die Zukunft äußerte sich der Medienexperte durchaus zuversichtlich. Er hoffe, dass in den kommenden Jahren strengere gesetzliche Regelungen für soziale Netzwerke – etwa eine konsequentere Altersgrenze ab 13 Jahren – auch wirklich umgesetzt werden. Bis dahin bleibe Medienerziehung vor allem eine gemeinsame Aufgabe von Eltern, Schule und Gesellschaft.
Im Anschluss an einen offenen Austausch, in dem Clemens Beisel zahlreiche Fragen der Anwesenden beantwortete, wies Christina Faber, Vorsitzende des Fördervereins SI-Hilfe Ellwangen/Jagst, auf die Bedeutung weiterer finanzieller Unterstützung für das Präventionsprojekt „BeOn – Bewusst Online“ hin. Das vom SI-Club Ellwangen initiierte Projekt fördert an den weiterführenden Schulen seit 2021 einen bewussten Umgang mit digitalen Medien und bietet Informationen für Eltern und Lehrkräfte an.
Mit ALWAYS ON?! setzt der SI-Club Ellwangen/Jagst seine langjährige Präventionsarbeit fort, die darauf abzielt, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und Wege im Umgang mit digitalen Herausforderungen aufzuzeigen.
Nähere Informationen zum Referenten, siehe Einladung zum Infoabend.
Fotos: Michael Ankenbrand